iteratec modernisiert Vertriebssystem der Deutschen Bahn: Einblicke in ein Mammutprojekt

Die Deutsche Bahn hat zusammen mit iteratec ihr wichtigstes IT-System im Personenverkehr modernisiert. Das neu entwickelte Vertriebssystem, Vendo, ersetzt eine bis zu 40 Jahre alte Plattform und bildet das Herzstück für den Ticketverkauf im Personenverkehr – von Fern- und Nahverkehrstickets bis hin zu Verbundtarifen. 

Doch wie gelingt die Modernisierung eines geschäftskritischen Systems im laufenden Betrieb? Und welche Herausforderungen bringt ein solches Mammutprojekt mit sich?  

Im Interview berichten Ralf Gernhold, Leiter IT-Sales Plattform bei DB Vertrieb, und Martin Schönhoff, Principal IT-Consultant bei iteratec, von den Erfolgsfaktoren und Learnings bei der Entwicklung von Vendo.



Inhalt

  1. Weg zur Neuentwicklung der DB-Vertriebsplattform
  2. Erfolgsfaktoren bei der Implementierung
  3. Zukunftsperspektiven und Weiterentwicklungen

Weg zur Neuentwicklung der DB-Vertriebsplattform 

Die Modernisierung der Vertriebsplattform der Deutschen Bahn war dringend notwendig, denn die bestehende 40 Jahre alte Plattform, wurde den modernen digitalen Anforderungen nicht mehr gerecht. Die verschiedenen über die Jahrzehnte hinzugefügten Funktionen, wie Bahn.de und die Navigator-App, arbeiteten nicht nahtlos zusammen und waren somit nicht benutzerfreundlich. Angesichts dieser Herausforderungen stand die Deutsche Bahn vor der Aufgabe, ihr geschäftskritischstes Vertriebssystem zu modernisieren.  Da die Plattform für den Ticketverkauf essenziell ist, musste das im laufenden Betrieb erfolgen. Ziel war es, sowohl den Vertrieb als auch das Vertriebssystem komplett neu zu denken und eine Lösung zu schaffen, die den Anforderungen der Gegenwart und Zukunft gerecht wird. 

Kernelemente der neuen Plattform 

„Das neue System darf nicht mehr alt werden“, sagt Gernhold im Interview. Vielmehr muss es flexibel auf neue Anforderungen reagieren und laufend aktualisiert werden. Daher gehörte zu den zentralen Anforderungen, an das System, dass die Plattform ausreichend Durchsatzkapazität besitzt und performant sowie skalierbar ist. Eine gute Wartbarkeit war ebenfalls wichtig, um Updates und neue Features schnell und problemlos einführen zu können. Zudem sollte die Plattform in der Lage sein, Fehler effizient zu beheben, um Ausfallzeiten zu minimieren.  

Erfolgsfaktoren bei der Implementierung 

Die Implementierung von Vendo war ein Großprojekt das dank klarer Strategien und Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurde: 

  • Teamleistung: 585 Menschen arbeiteten gemeinsam an Vendo. 
  • Agiles Vorgehen: Regelmäßige Beta-Phasen und ein agiles Projektmanagement halfen, den Scope zu definieren und Vertrauen zu schaffen. 
  • Transparenz und Zusammenarbeit: Die enge Zusammenarbeit mit Stakeholdern und die transparente Kommunikation über Fortschritte und Herausforderungen waren essenziell. 

 

„Am Ende ist es ganz einfach, Digitalisierung wird mit Menschen gemacht - it’s all about people - und man muss sehen, dass man die richtigen Menschen beieinanderhat, die Lust haben, so etwas erfolgreich fertigzustellen.“ – Ralf Gernhold

 

Spannende Momente und Herausforderungen im Projektverlauf 

Ein Projekt von dieser Größe birgt auch immer Spannungsmomente. Eine kritische Entscheidung betraf die Planung des Cut-Overs vom alten auf das neue System. Mehrere Szenarien wurden abgewogen, beispielsweise in welcher Reihenfolge die Migration von Web und App stattfinden sollte sowie die Frage, ob Kunden eine neue App herunterladen sollen oder ein Update für die alte App erhalten. 

Ein weiterer spannender Moment war das Zusammenführen der verschiedenen Funktionen und Services zu einem einheitlichen System. Das wurde bei einer Testfahrt mit den ersten Fahrkarten, die über Vendo gekauft wurden, real getestet.  

„Wir wussten noch gar nicht, ob das Kunstwerk, das wir gebaut haben, tatsächlich funktioniert. Wir hatten die vielen Services, also Domänen, noch nie zusammengeschaltet. Das heißt, wir hatten keinen Beweis, ob wir tatsächlich den gesamten Prozess von der Auskunft über die Abrechnung bis hin zum Ticketausstellen und zur Kontrolle in einer endlichen Zeit über die Plattform realisieren können.“ – Ralf Gernhold 

 

Nutzen und Mehrwert für die Kunden 

Kunden profitieren vom neuen Omnichannel-Gerüst der Plattform: Das heißt, dass ein Kunde überall dieselben Daten, Tickets und Informationen angezeigt bekommt, unabhängig davon, ob er:sie das Ticket über die App, am Schalter oder am Ticketautomat gekauft hat. Die Bedienbarkeit wurde erheblich vereinfacht und unnötige Schritte entfernt. Zudem sind neue Funktionen nun viel schneller verfügbar, da das neue System 30-40 Releases am Tag möglich macht. Vorher konnten große Updates nur 2-mal im Jahr durchgeführt werden.  

Zukunftsperspektiven und Weiterentwicklungen 

Mit Vendo wurde die Grundlage für einen lückenlosen digitalen Prozess gelegt. Weitere Projekte stehen bevor. Die Digitalisierung im europäischen Verkehr, die Integration von Mikromobilität und die Transformation von Reisezentrumsprozessen sind nur einige der Herausforderungen, die zukünftig angegangen werden. 


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Tags: Individualsoftwareentwicklung

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