Digitalisierung im Gastgewerbe: Wie der DEHOGA mit KI und einer App 65.000 Betriebe erreichen will

Von iteratec am 04/08/2026
Digitalisierung im Gastgewerbe: Wie der DEHOGA mit KI und einer App 65.000 Betriebe erreichen will
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Digitalisierung im Gastgewerbe: Wie der DEHOGA mit KI und einer App 65.000 Betriebe erreichen will
Wie der DEHOGA mit KI und einer App 65.000 Betriebe erreichen will
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Wie kriege ich im richtigen Moment die passenden Informationen an den Betrieb? Diese Frage haben die Landesverbände des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) dazu gebracht, eine eigene digitale Plattform zu entwickeln, inklusive KI-Chat, verifizierter Wissensdatenbank und einer App, die Gastgebern rund um die Uhr Antworten liefert. Wir sprechen im Interview mit Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des DEHOGA Bayern sowie Geschäftsführer der oneDEHOGA GmbH über das gemeinsame Projekt.

Dr. Geppert, der DEHOGA vertritt alles vom kleinen Café bis zum Luxushotel. Was ist aktuell die größte Herausforderung für die Branche?

Unsere Branche besteht zu großen Teilen aus kleinen, familiengeführten Betrieben, die keine eigene Rechtsabteilung oder gar ein Compliance-Team haben. Gleichzeitig werden die Auflagen immer mehr: neue Verordnungen, neue Dokumentationspflichten.

Ein Gastronom, der abends um 22 Uhr ein konkretes Problem hat, braucht dann eine Antwort. Das war der Auslöser für die oneDEHOGA-App, die wir mit iteratec entwickelt haben.
Dr. Thomas Geppert
Landesgeschäftsführer des DEHOGA Bayern

Was steckt hinter der oneDEHOGA-App?

Die Kernidee ist alle Informationen, Lösungen und Services aus einer Hand und alles an einem Ort zu haben. Ihr Herzstück ist ein KI-Chat, der auf eine geschlossene, verifizierte Wissensdatenbank zugreift, die eigens dafür entwickelt wurde. Da steckt das komplette DEHOGA-Wissen drin: Rechtsinfos, Musterverträge, Verordnungen, Handlungsempfehlungen, Ansprechpartner, Formulare, Vorlagen. Alles verifiziert, alles geprüft und kontinuierlich weiterentwickelt.

Warum ein eigener KI-Chat und nicht einfach ChatGPT?

Ein falscher Rat kostet im Zweifel richtig Geld. Wenn ein Betrieb eine Frage zu Brandschutz, Musterverträgen oder barrierefreien Webseiten eingibt, braucht er verifizierte Fakten. Genau die liefert unser KI-Chat jederzeit, per Text oder Spracheingabe aus einer geschlossenen, geprüften Wissensdatenbank. Grundsätzlich bin ich fest davon überzeugt, dass man eigene KI-Anwendungen braucht, weil ChatGPT eben doch nicht auf die eigenen Informationsbedürfnisse ausgerichtet ist und die Fehlerquote immer größer wird.

Gab es Anwendungsfälle, die Sie überrascht haben?

Auf jeden Fall. Wir werden durch den KI-Chat selbst besser. Dort werden Fragen gestellt, die wir so gar nicht auf dem Schirm hatten und das hilft uns, unsere Inhalte weiterzuentwickeln. Ein schönes Beispiel: Jemand hat nach dem Wetter in München gefragt. Die Wetterdaten haben wir in der App nicht angebunden, aber für einen Biergarten-Betreiber ist das natürlich hochrelevant. Der Verband lernt also mit.

Haben Sie noch ein konkretes Beispiel, wie die App Betrieben im Alltag hilft?

Nehmen wir das Beispiel Bettwanzen. Wenn in einem Hotel Bettwanzen vorkommen, bieten wir über die App einen Partner an, der mit einem Spürhund die Zimmer abgeht. Dann können vielleicht die Hälfte der Zimmer wieder geöffnet werden, die ansonsten geschlossen worden wären. Das spart richtig Geld. Diesen Benefit gibt's gerade nur über die App.

oneDEHOGA_screens

Wie wird die App bisher angenommen?

Wir haben aktuell etwa 5.000 Nutzer. Ganz ehrlich, da ist noch Luft nach oben. Allein in Bayern haben wir über 11.000 Mitglieder. Unser Ziel: Bis Ende 2026 die Hälfte aller Mitglieder an Bord holen. Die große Herausforderung ist, Betriebe dazu zu bringen, etwas Neues tatsächlich zu nutzen. Aber wer die App einmal nutzt, bleibt dabei. Das Feedback ist durchweg positiv: Ein Mitglied brauchte zum Beispiel einen aktuellen Musterarbeitsvertrag. Über die App war das in Sekunden erledigt.

Der DEHOGA hat eine föderale Struktur mit eigenständigen Landesverbänden. Wie kam das im Projekt zum Tragen?

Die föderale Struktur war die größte Herausforderung: Ein gemeinsames Projekt, bei dem jeder Landesverband seine Individualität behält. Zusammen mit iteratec haben wir dafür ein Content-Management-System mit zwei Ebenen entwickelt. Es gibt einen gemeinsamen Wissensraum für Inhalte, die alle betreffen. Gleichzeitig hat jeder Landesverband die Hoheit über seine eigenen Inhalte und kann Artikel freischalten, anpassen oder ergänzen. Dazu kommt das Regionalitätsprinzip: Wenn in München etwas passiert, bekommen nur die Münchner Mitglieder die Info. Unser Anspruch ist es, Informationen schnell und passgenau für jedes Bundesland zu liefern.

Dafür wurde sogar ein eigenes Unternehmen, die oneDEHOGA GmbH gegründet. Warum dieser Schritt?

Eben weil wir ein föderal aufgebauter Verband mit starken, eigenständigen Landesverbänden sind. Wenn man gemeinsam ein Digitalisierungsprojekt dieser Größenordnung umsetzen will, braucht man eine gemeinsame rechtliche Struktur. In der oneDEHOGA GmbH sind die Landesverbände bzw. deren Service GmbHs Gesellschafter. Das schafft Verbindlichkeit und Tempo.

💡Mehr spannende Einblicke zum Thema KI finden Sie in unseren weiteren Beiträgen. 

Was kommt als nächstes?

Noch dieses Jahr wollen wir die Möglichkeit schaffen, dass alle Betriebe ihre Mitarbeitenden über die App onboarden können. Die Betriebe können dann beispielsweise Benefits einstellen. Das kennt man aus der internationalen Kettenhotellerie, die ihren Mitarbeitenden Hotelzimmer zu Sonderkonditionen in allen Häusern anbieten. Wir haben viele Individualbetriebe, die diesen Vorteil einzeln nicht bieten können, aber wenn jeder Hotelier, jeder Gastronom ein bisschen was gibt, haben wir in Summe gigantisch viel erreicht. Wir wollen also aus vielen Einzelnen ein starkes Netzwerk machen. Darüber hinaus arbeiten wir an Mehrsprachigkeit, weil wir schließlich die internationalste Branche sind, die man sich vorstellen kann.

Welche Rolle hat iteratec in dem Projekt gespielt?

iteratec hat unsere Anforderungen in eine funktionierende Lösung übersetzt. Das war bei der Komplexität alles andere als trivial: föderale Strukturen, ein mehrschichtiges CMS, ein KI-Chat auf verifizierter Datenbasis. Es war entscheidend, einen Partner zu haben, der die technische Erfahrung mitbringt und gleichzeitig versteht, wie ein Verband funktioniert. Parallel haben wir intern Know-how aufgebaut. Das war uns wichtig.


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