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TL;DR: Smart Contracts für Eilige Teil 3

Geschrieben von Oliver Widder | 23.09.2020 22:00:00

In Teil 1 haben wir mit möglichst einfachen Mitteln den Smart Contract "Weisenheimer" in Rinkeby, einem Ethereum Test Network, deployt:

contract Weisenheimer {

event NewHashValue(string, address, uint);

function logHashValue(string hashValue) public {
emit NewHashValue(hashValue, msg.sender, block.timestamp);
}
}

So richtig smart ist "Weisenheimer" nicht. Er kann nichts weiter als einen String (hashValue) in einem Contract-Event zu speichern. Aber immerhin. Damit ist dieser String für immer und ewig in die Blockchain eingebrannt.

Was für Schlaumeier

Weisenheimer heißt "Weisenheimer", weil er für Schlaumeier gedacht ist: Denn wer eine schlaue Idee hat, schreibt sie auf, hasht sie und speichert den Hash-Wert über den Weisenheimer-Contract in der Blockchain. Dann kann man auch in vielen Jahren noch beweisen, dass man das heute schon wusste.

Lesen des Contracts

In Teil 2 haben wir eine kleine Web-App erstellt, die mit ein klein wenig JavaScript-Code alle Events aus dem Contract ausliest und die darin enthaltenen Hash-Werte zusammen mit Nummer und Timestamp des Blockes der Blockchain, in dem sich der Event befindet, anzeigt. (Die App funktioniert nur, wenn das unten beschrieben Plug-in Metamask installiert ist)

Jetzt wird's ernst

Das war bis jetzt doch alles nur Pillepalle. Jetzt wollen wir in die Blockchain schreiben. Das machen wir, indem wir die schreibende Transaktion logHashValue des Weisenheimer-Contracts aufrufen.

Umsonst ist der Tod

Eine schreibende Transaktion kostet Krypto-Geld. Zum Glück gibt es im Test-Network Rinkeby die dazu nötigen Ethergeschenkt. Wie in Teil 1 besorgen wir uns das Geld mit den folgenden Schritten:

  1. Falls nicht schon geschehen installieren wir uns das Browser-Plugin-Wallet Metamask.

  2. Beim ersten Öffnen wird automatisch ein Wallet inklusive Seed Phrase generiert:

Die Seed Phrase besteht aus 12 Worten und ist der Masterkey zum Wallet. Wer ihn hat, hat volle Kontrolle über alle Accounts, die vom Wallet verwaltet werden. Und wer ihn verliert, hat alle Ether, die sich im Wallet befinden, verloren. Also gut darauf aufpassen (zumindest wenn man mit dem Wallet mehr als Rinkeby-Spiel-Ether verwaltet)!

  1. In Metamask sieht man oben unter dem Account-Namen (hier einfach nur Account 1) die Account-ID. Die kopiert man sich in die Zwischenablage:

      4. Und tweetet sie: 

Gerne auch mit einem erklärenden Text. Hauptsache der Tweet enthält die Account-ID.

  1. Die URL kopiert man sich und auf geht's zum Rinkeby-Faucet. Dort werden Ether verschenkt.

Einfach die URL des Tweets in das Eingabefeld kopieren und auswählen, wieviel Ether es denn sein dürfen (wir nehmen uns natürlich gleich die vollen 18,75. Warum nicht? Die nächsten dürfen wir uns dann allerdings erst wieder in 3 Tagen holen.)

  1. Und nach kurzer Zeit sehen wir auch schon funded. Das Geld ist da! 

Auf geht's

So, genug Krypto-Geld haben wir jetzt, um unsere Transaktion bezahlen zu können. Dann mal los. Hier der Code der erweiterten Web-App, mit der die schreibende Contract-Methode logHashValue aufgerufen wird:

<!DOCTYPE html> 
<html lang="en">
<head>
<meta charset="UTF-8">

<title>Weisenheimer</title>

<link rel="stylesheet" type="text/css" href="https://cdnjs.cloudflare.com/ajax/libs/materialize/1.0.0/css/materialize.min.css">

<script src="https://cdn.jsdelivr.net/gh/owidder/super-simple-utils@v0.12/build/static/js/showDataAsTable.min.js"></script>
<script src="https://cdn.jsdelivr.net/gh/owidder/super-simple-utils@v0.12/build/static/js/hash.min.js"></script>
<script src="https://cdn.jsdelivr.net/gh/ethereum/web3.js@1.0.0-beta.35/dist/web3.min.js"></script>
<script src="./showPastEvents.js"></script>
</head>

<style>
.input
{
display: flex;
justify-content: flex-start;
align-items: flex-end;
}

.input textarea {
width: 70%;
height: 10em;
padding: 1em;
background-color: #F7F7F0;
margin: 1em;
}

.input button {
margin: 1em;
}
</style>
<body>

<div class="input">
<textarea class="materialize-textarea" placeholder="Insert text, then press button to hash and log into smart contract"></textarea>
<button onclick="hashAndLog()" class="waves-effect waves-light btn">Hash and log</button>
</div>
<div class="table"></div>

<script>
(function ()
{


const abi = [{"constant":false,"inputs":[{"name":"hashValue","type":"string"}],"name":"logHashValue","outputs":[],"payable":false,"stateMutability":"nonpayable","type":"function"},{"anonymous":false,"inputs":[{"indexed":false,"name":"","type":"string"},{"indexed":false,"name":"","type":"address"},{"indexed":false,"name":"","type":"uint256"}],"name":"NewHashValue","type":"event"}];

if (window.ethereum)
{

ethereum.enable().then(() => {
const web3 = new Web3(ethereum);
const contract = new web3.eth.Contract(abi, "0x245eDE9dac68B84f329e21024E0083ce432700f9");
showPastEvents(contract, "div.table");

window.hashAndLog = () =>
{

const textarea = document.querySelector(".input textarea");
const textToHashAndLog = textarea.value;
hashSHA256(textToHashAndLog).then(hashedText =>
{

web3.eth.getAccounts((err, accountList) => {
contract.methods.logHashValue(hashedText).send({from: accountList[0]})
.on("confirmation", (confirmationNumber, receipt) =>
{

console.log(`conformation number: ${confirmationNumber}`);
console.log(receipt);
showPastEvents(contract, "div.table");
})
.on("error", error =>
{

console.error(error);
window.alert(error);
showPastEvents(contract, "div.table");
})
})
})
}
})
} else {
window.alert("No injected ethereum object found");
}
})()
</script>
</body>
</html>

Ruft man die App auf, stellt sie sich folgendermaßen dar: 


In der TextArea kann man einen beliebigen Text eingeben. Über den HASH AND LOG-Button wird der Text gehasht und der Hash-Wert wird an die logHashValue-Methode des Contracts gesendet. Sobald die Transaktion bestätigt ist, wird der neue Hash-Wert mit Blocknummer, Adresse des Senders und Zeitstempel in der Tabelle angezeigt.

Show me the code

Wir geben jetzt erst einmal was in der TextArea ein und betätigen den HASH AND LOG-Button:

(Im Jahr 2030 werde ich mit Hilfe der Blockchain endlich beweisen können, dass ich hellseherische Kräfte habe)

Wir wollen die JavaScript-Function im Einzelnen durchgehen

ABI

const abi = [{"constant":false,"inputs":[{"name":"hashValue","type":"string"}],"name":"logHashValue","outputs":[],"payable":false,"stateMutability":"nonpayable","type":"function"},{"anonymous":false,"inputs":[{"indexed":false,"name":"","type":"string"},{"indexed":false,"name":"","type":"address"},{"indexed":false,"name":"","type":"uint256"}],"name":"NewHashValue","type":"event"}];

Das ist das Application Binary Interface (ABI) des Weisenheimer-Contracts. Man benötigt es, um mit dem Contract interagieren zu können. Sieht nicht schön aus. Aber zum Glück müssen wir es es nicht selber schreiben. Man kann es sich aus dem deployten Contract kopieren.

Ohne Ethereum-Object geht nix

if (window.ethereum) { 
...
} else {
window.alert("No injected ethereum object found");
}

Wenn das Plug-in Metamask installiert ist, existiert das ethereum-Object. Das brauchen wir. Ansonsten können wir nicht weiter machen.

Erst um Erlaubnis bitten

ethereum.enable().then(() => { 
...
})

Mit ethereun.enable() öffnet Metamask einen Dialog, mit wir um Erlaubnis bitten, dass wir Informationen aus dem Benutzer-Account auslesen (z.B. die ID des Accounts) und über Metamask die Methoden von Contracts aufrufen dürfen.

enable() gibt ein JavaScript-Promise zurück, das resolved, wenn der Benutzer den Connect-Button betätigt (ansonsten war's das).

Contract-Proxy

const web3 = new Web3(ethereum); 
const contract = new web3.eth.Contract(abi, "0x245eDE9dac68B84f329e21024E0083ce432700f9");

Sobald zugestimmt wurde, besorgen ein web3-Object. Web3 ist die offizielle JavaScript-API von Ethereum. Damit können wir uns dann über web.eth.contract(abi, contractId) ein Proxy-Object besorgen, über das wir den Contract erreichen können.

Events lesen und anzeigen

showPastEvents(contract, "div.table");

Hinter showPastEvents(contractProxy, cssSelector) verbirgt sich der Code aus Teil 2 zum Auslesen und anzeigen der Events. Wer Interesse hat, kann ihn hier sehen.

Hashen

window.hashAndLog = () => { 
const textarea = document.querySelector(".input textarea");
const textToHashAndLog = textarea.value;
hashSHA256(textToHashAndLog).then(hashedText => {
...
})
}

hashAndLog wird aufgerufen, wenn der HASH AND LOG-Button geklickt wird (siehe <button onclick="hashAndLog()" ...)

Der Text wird aus der TextArea ausgelesen und gehasht (den Code zum Hashen kann man hier sehen).

In hashedText steht dann der Hash-Wert des eingegebenen Textes:

Account ID

web3.eth.getAccounts((err, accountList) => { 
...
})

Nun holen wir uns über die das web3-Object die ID des aktuell ausgewählten Accounts (darum mussten wir ja oben um Genehmigung bitten).

Über das Metamask kann man viele Accounts verwalten.

getAccounts() gibt ein Array mit einem einzigen String zurück: Der ID des aktuell ausgewählten Accounts.

Aufruf des Contracts

contract.methods.logHashValue(hashedText).send({from: accountList[0]})

Endlich!!! Jetzt haben wir den Hash-Wert (hashedText) und die Account-ID (accountList[0]). Damit können wir über das Proxy-Object (contract) die Methode logHashValue aufrufen.

Der Aufruf der Contracts geschieht über Metamask. Da das Krypto-Geld kostet, meldet sich auch gleich Metamask:

Bestätigungen

Sobald es die Transaktion in einen Block der Blockchain geschafft hat, gibt es die erste Confirmation. Darüber freut sich dann auch Metamask:

Der Aufruf von contract.methods.logHashValue(hashedText).send({from: accountList[0]}) gibt ein sogenanntes PromiEvent zurück (das ist allerdings nicht etwa ein besonders berühmtes Event, sondern einfach nur eine Mischung aus Promise und Event). Über das PromiEvent kann man sich dann informieren lassen, sobald eine Bestätigung eingegangen ist.

.on("confirmation", (confirmationNumber, receipt) => { 
console.log(`conformation number: ${confirmationNumber}`);
console.log(receipt);
showPastEvents(contract, "div.table");
})

Wir loggen die Nummer der Bestätigung (confirmationNumber) und die Quittung aus (receipt).

Wie man sehen kann, gibt es nicht nur eine Bestätigung. Mit jedem weiteren Block, der nun folgt, gibt es eine weitere Bestätigung. Dann damit wird es immer unwahrscheinlicher, dass sich doch noch eine andere Blockchain durchsetzt und die Bestätigung unserer Transaktion doch wieder zurück genommen werden muss.

So bekommen wir Bestätigungen mit den Nummern 0 bis 24. (Im Test-Network Rinkeby gibt es ca. alle 15 Sekunden eine Bestätigung) Danach ist es so gut wie unmöglich, dass das noch einmal alles wieder revidiert werden muss.

Ab der Bestätigung mit der Nummer 1 sollte der Event in der Blockchain sein. Wir machen es uns einfach und zeigen bei jeder Bestätigung über showPastEvents() alle Events an (inklusive der enthaltenen Hash-Werte). Unser neuer Hash-Wert sollte jetzt ganz oben zu sehen sein.

Zu guter Letzt

.on("error", error => { 
console.error(error);
window.alert(error);
showPastEvents(contract, "div.table");
})

Falls doch etwas schief gehen sollte, zeigen wir den Fehlertext und laden noch einmal alle Events.

Denn wer weiß, vielleicht ist der neue Event jetzt doch wieder verschwunden.

Vielleicht hat der Konsens unter allen Knoten des Netzwerks sich jetzt doch für eine andere Version der Blockchain entschieden. Wäre doof, müssten wir aber hinnehmen.

Das war's dann

Soviel für dieses Mal. Falls Sie in ihrem Bekanntenkreis mit ihrer eigen Dapp blenden wollen, brauchen Sie nur einen Webserver, der die HTML-Seite oben ausliefert. Am einfachsten geht das über Github-Pages. Wie das geht, wird in Teil 2 erklärt.

Wünsche viel Spaß!

 

Noch Fragen?

Wie können Sie Chancen und mögliche Einsatzfelder von Blockchain-Lösungen identifizieren und diese in Ihrer Organisation umsetzen? Erfahren Sie, wie wir Sie beim Thema Blockchain unterstützen können:

 

 

Oliver Widder - Oliver Widder arbeitet seit acht Jahren als Entwickler und Berater bei iteratec. Neben seiner Projektarbeit beschäftigt er sich mit seinem Blog (http://geek-and-poke.com/), Blockchains und anderen innovativen Themen.