Hype oder Heilsbringer? - Was Unternehmen über NFTs wissen sollten

Von Nico Heinze

Non-fungible Token (NFTs) mischen gerade den Kunstmarkt auf und gehören zu den wichtigsten Trends in der Blockchain-Welt – Doch welche Rolle spielen die digitalen Nachweise für Unternehmen und andere Organisationen? Erfahren Sie mehr über Einsatzmöglichkeiten und Herausforderungen bei NFTs für Unternehmen.

Inhalt:

 

The Hype is real

Dass NFTs das Potenzial haben, den Kunstmarkt nachhaltig zu erschüttern, war spätestens am 11. März 2021 klar. An diesem Tag nämlich verkaufte der Künstler Mike Winkelmann, besser bekannt als Beeple, eine digitale Collage beim Auktionshaus Christie’s für 69 Millionen Dollar. [1] Zum Vergleich: Bis Oktober 2020 lag der Höchstpreis, den Winkelmann für eines seiner Gemälde erzielt hatte, bei 100 Dollar. [2]

Das Beispiel zeigt, wie rasant die Entwicklung von NFTs in den vergangenen Monaten verlaufen ist. Allein im ersten Quartal 2021 lag das Gesamtvolumen der NFT-Verkäufe bei mehr als 2 Milliarden Dollar – das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 800%. [3]

Längst ist der Einsatz von NFTs nicht mehr nur auf digitale Gemälde begrenzt. Auch Songs, Tweets oder Code-Zeilen werden als NFTs gehandelt und erzielen bei Auktionen Millionenbeträge.

 

Was sind NFTs und wie funktionieren sie?

Doch wie funktionieren NFTs und was macht sie für den Einsatz im Kunstmarkt so einzigartig?

Technisch gesehen handelt es sich bei NFTs um kryptografische Tokens auf einer Blockchain, die eindeutige, nicht kopier- bzw. veränderbare Besitzinformationen in Form einer hinterlegten Zeichenkette in sich tragen.

Im Unterschied zu fungiblen Tokens, wie z.B. Bitcoins, deren Wert untereinander immer identisch ist und die dadurch austauschbar sind wie Einheiten einer Währung, sind Non-fungible Tokens daher einzigartig, ähnlich wie ein Objekt von historischer oder künstlerischer Bedeutung einzigartig ist. Jeder Token existiert nur einmal und kann daher einem individuellen Objekt zugeordnet und für dieses als digitaler Eigentums- bzw. Provenienznachweis dienen.

NFTs sind einzigartige, digitale Items mit einem Blockchain-basierten Eigentumsnachweis.

NFTs werden von verschiedenen Blockchain-Netzwerken unterstützt, wie z.B. Ethereum nach ERC-721 Standard oder ERC-1155 Standard, FLOW, Tezos oder Phantasma. Dabei werden sämtliche Transaktion des Objekts unveränderlich auf der Blockchain gespeichert.

Wer ein (digitales) Kunstwerk auf diese Weise verkaufen möchte, der muss zunächst ein entsprechendes NFT mithilfe von Tools wie z.B. OpenSea, Rarible oder Mintbase erstellen bzw. „minten“. Dabei fallen Gebühren (Gas), z.B. in Form von ETH (Ethereum), an. Anschließend können die geminteten Objekte auf entsprechenden NFT-Plattformen gehandelt bzw. versteigert werden.

Diese Transaktion erfolgt ebenfalls über Kryptowährungen. Mit der Abwicklung der Verkaufstransaktion erfolgt die Zuweisung des neuen NFT Eigentümers.

 

Was macht NFTs so disruptiv?

Gerade im Kunstmarkt eröffnet diese Form der Transaktion völlig neue Möglichkeiten, indem sie digitale Objekte erstmals wirklich handelbar machen. Was das konkret bedeutet, zeigen die folgenden Eigenschaften:

  • NFTs sind eine „Originalitätsmaschine“.

    Das wohl größte Potenzial von NFTs ergibt sich aus der Möglichkeit, digitalen Objekte, die eigentlich beliebig vervielfältigbar sind, eindeutige Eigentums- bzw. Provenienzinformationen zuzuweisen – und sie dadurch „einzigartig“ zu machen.

    Diese Form der Verknappung öffnet den Kunst- und Sammlermarkt für eine schier unbegrenzte Anzahl digitaler Objekte, die bis dahin de facto nicht handelbar waren. Das gilt freilich nicht nur für einzelne Objekte, sondern auch für begrenzte Serien bzw. Editionen.

  • NFTs brechen Marktmechanismen und die Macht von Institutionen auf.

    NFTs erlauben Künstlern, ihre Werke ohne Beteiligung von Galerien o.Ä. zu handeln. Das ist möglich, weil das Vertrauen in die Authentizität des Werkes nicht durch eine Institution, wie einen Zwischenhändler garantiert, sondern dezentral über die Blockchain abgesichert wird.

    So kann jeder Künstler bzw. Produzent gleichzeitig zum Händler werden und seine Güter selbst ohne Zwischenhändler vermarkten.

  • NFTs "verlängern" geistiges Eigentum.

    Künstler können mithilfe von NFTs nicht nur selbst Transaktionen anstoßen, sie können auch anteilsmäßig an jeder nachfolgenden Transaktion beteiligt werden.

    Dadurch verlängert sich der Wert des geistigen Eigentums und Künstler*innen profitieren davon, wenn ihre Werke nach dem Wiederverkauf im Wert steigen.

 

NFTs: Einsatzmöglichkeiten für Unternehmen

Aber nicht nur für Künstler*innen bieten NFTs enorme Potenziale – auch Unternehmen und andere Organisationen können von den beschriebenen Vorteilen der NFT-Technologie profitieren. Erste Anwendungsbeispiele finden sich bereits bei Bekleidungsherstellern wie Nike, die bereits im vorletzten Jahr ein Patent für ihre CryptoKicks angemeldet haben.

Dabei handelt es sich um tokenisierte Schuhe auf Ethereum-Basis. Beim Kauf werden die Schuhe mit einem Besitzer verknüpft, diese Verknüpfung wird dabei auf der Ethereum-Blockchain verzeichnet.

Das Patent besagt, dass die Inhaber auch die Möglichkeit erhalten werden, individuelle Schuhe zu designen, die dann als physisches Produkt hergestellt werden können. [4] Ein weiteres Beispiel ist NBA Top Shot, eine digitale Sammelbörse, in der Videos der spektakulärsten Würfe der US-Basketballliga NBA gehandelt werden. [5]

Neben diesen Beispielen sind NFTs grundsätzlich für alle Arten von (digitalen) Gütern oder Produkten geeignet, die als individualisierte oder limitierte Objekte gehandelt und nachgewiesen werden können. Das eröffnet, insbesondere für Produkthersteller aber auch für Organisationen, die über intangible Güter verfügen, wie etwa Sportvereine, Kommunen uvm., neue Marketing- und Geschäftsmodell-Innovationen.

Prozess NFTs

Darüber hinaus bieten NFTs große Potenziale im Hinblick auf den Umgang mit geistigem Eigentum, sowie dem Nachweis von Quellen-Authentizität.

 

Herausforderungen für Unternehmen im Umgang mit NFTs

Allerdings stehen Unternehmen, die NFTs nutzen wollen, vor verschiedenen Herausforderungen, die den Einsatz erschweren:

  • Handelsplattformen und Marktplätze

    Wer heute NFTs erstellen und handeln möchte, ist i.d.R. auf bestehende Handelsplattformen und Marktplätze wie etwa OpenSea, Rarible oder SuperRare angewiesen, um NFTs zu minten und zu verkaufen. Das begrenzt zum einen die Kontrolle, die ein Unternehmen über die zu handelnden Objekte hat.

    Zum anderen findet der Handel dort ausschließlich über Kryptowährungen, wie z.B. Ethereum statt. Das schließt potenzielle Kundengruppen, die bislang keine Erfahrung im Umgang mit Kryptowährungen haben, von Beginn an aus.

    Eine mögliche Alternative wäre der Aufbau einer eigenen Plattform, was wiederum mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden ist.

  • Währungs-Exchange und Bilanzierung

    Eine weitere Herausforderung, die sich für Unternehmen aus dem Handel mit Kryptowährungen ergibt, besteht in der Bilanzierung der dort erzielten Umsätze. Dort sind Kryptowährungen i.d.R. nicht vorgesehen und erfordern deshalb einen hohen juristischen Aufwand, der meist nicht im Verhältnis zu den in diesen neuen Geschäftsfeldern zu erwartenden Umsätzen steht.

    Sollen die Verkäufe hingegen in Euro getätigt werden, muss das Unternehmen wiederum als Exchange-Anbieter auftreten, was neue Anforderungen mit sich bringt.

  • Transferkosten und Kursschwankungen

    Eine zusätzliche Hürde für Unternehmen sind die anfallenden Kosten für jede NFT-Transaktion. Diese können nämlich erheblich schwanken und machen den Handel mit NFTs je nach Größenordnung schwer kalkulierbar.

    Hinzu kommen Kursschwankungen bei den Kryptowährungen, wie etwa Ethereum, selbst, die einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor darstellen.

 

Die beschriebenen Herausforderungen können den Einstieg in die NFT-Nutzung für Unternehmen und andere Organisationen erschweren. Deshalb hat iteratec mit seinem „X-to-NFT“ Service ein Verfahren entwickelt, über das Firmen schnell und einfach NFTs für ihre digitalen Assets erstellen und diese über ihren eigenen Webshop vertreiben können.

Mehr dazu hier.

 

Fazit: NFTs für Unternehmen - Hype oder Heilsbringer

Wie sich der Hype um NFTs in den kommenden Monaten weiterentwickeln wird und, welche Bereiche er jenseits des Kunstmarkts erfassen wird, ist schwer abzuschätzen.

Bereits der Krypto-Hype 2017/18 zeigte, wie volatil die Entwicklungen hier sind. Fest steht allerdings, dass NFTs gerade für den Handel mit digitaler Kunst einzigartige Eigenschaften mitbringen, die das Potenzial haben, die bisherigen Geschäftsmodelle und Institutionen dort nachhaltig zu verändern.

Inwiefern sich ähnliche Effekte auch auf den Einsatz im Unternehmen übertragen lassen, hängt davon ab, ob die Hürden für den Einstieg effektiv gesenkt werden können.

 

 

Noch Fragen?

Weitere Informationen und Hilfestellungen rund um die einfache Erstellung und den Verkauf von NFTs über den eigenen Webshop erhalten Sie unter: https://experience.iteratec.com/x-to-nft

 

Nico HeinzeNico Heinze - ist Blockchain Lead bei der iteratec GmbH in München. Er berät Unternehmen bei der Implementierung von Blockchain-basierten Anwendungen und ist verantwortlich für das iteratec Blockchain Lab.

 

Quellen

[1] Handelsblatt, 2021: https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/kreative-zerstoerung/kolumne-kreative-zerstoerung-non-fungible-token-oeffnen-einen-elitaeren-markt-fuer-neue-akteure/27158860.html?ticket=ST-431546-sHAIhaNFqUAMy7m6UyB5-ap2

[2] The Verge, 2021: https://www.theverge.com/2021/3/11/22325054/beeple-christies-nft-sale-cost-everydays-69-million

[3] Cloudwards, 2021: https://www.cloudwards.net/nft-statistics/

[4] The Next Web, 2021: https://thenextweb.com/news/nike-blockchain-sneakers-cryptokick-patent

[5] NBA Top Shot: https://nbatopshot.com/

Tags: Blockchain, Innovation

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